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Sechste Ausgabe (2017)

Forschungsbeiträge

Erhan Tamur
Style, Ethnicity and the Archaeology of the Aramaeans: The Problem of Ethnic Markers in the Art of the Syro-Anatolian Region in the Iron Age   [Zusammenfassung]   [Abstract]     

Die Geschichte der Archäologie ist auch eine Geschichte zahlreicher Versuche, bestimmte „Stile“ der materiellen Kultur mit bestimmten „Kollektivitäten“ zu korrelieren, seien es „Rassen“, „Kulturen“, Ethnien oder der sog. „Volksgeist“. Diese Versuche sind größtenteils von zwei Prämissen geprägt: a) einem Verständnis von materieller Kultur als reine Reflektion kollektiv-kognitiver Strukturen sowie einheitlicher Denkweisen; b) der Vorannahme, es gäbe eingrenzbare, homogene „Identitäten“, die durch eindeutig bestimmbare Merkmale artikuliert werden. Der Fokus dieses Beitrags liegt auf den Auswirkungen dieser beiden Prämissen auf die Untersuchungen der skulpturalen Kunst der syro-anatolischen Stadtstaaten der Eisenzeit (ca. 12.–7. Jahrhundert v. u. Z.). „Stile“ materieller Kultur wurden oft gemeinsam mit Sprachverteilung, Schrift und Herrschernamen verwendet, um Ethnien einer Region zu kartieren und damit verbundene historische Narrative zu konstruieren. Anhand der Konstruktion und praktischen Verwendung des Begriffs „Aramäischer Stil“ erfolgt hier eine nähere Betrachtung der theoretischmethodologischen Basis archäologischer und kunsthistorischer Klassifizierung, die letztlich zu einer Neueinschätzung der vorherrschenden Einordnung syro-anatolischer Kunst führt. Zudem führt diese Kritik nicht nur zu einer Neubewertung materieller Korrelate aramäischer Ethnizität, sondern auch des Ansatzes, vergangene Subjektivitäten in Archäologie und Kunstgeschichte einzubeziehen.

 

The history of archaeology is also the history of numerous attempts to correlate certain “styles” of material culture with certain “collectivities,” be they defined as “races,” “cultures,” “spirits,” or ethnicities. These attempts are largely characterized by two main premises: a) an understanding of material culture as a mere reflection of collective cognitive structures and unified mind-sets; b) presuppositions concerning the very existence of bounded, homogeneous “identities,” which are articulated through fixed “markers.” This paper focuses on the repercussions of these two premises on the studies of the sculptural art of Syro-Anatolian city-states in the Iron Age (ca. 12th to 7th centuries BCE). Along with the distribution of languages, scripts, and onomastica, “styles” of material culture have been frequently utilized to “map” the ethnicities of the region and to construct related historical narratives. Particularly, the way the term “Aramaean style” has been constructed and put into practice necessitates a closer look into the theoretical and methodological foundations of archaeological and art-historical classification, which leads not only to a reappraisal of the prevailing classifications of Syro-Anatolian art but also to a re-evaluation of the material correlates of an Aramaean ethnicity and of the ways in which past subjectivities are accounted for in archaeology and art history.

 

Juliane Lippok
Archäologie, Volkskunde und die Sepulkralkultur der Neuzeit: eine praxissoziologische Perspektive   [Zusammenfassung]   [Abstract]     

Eine Möglichkeit, den dynamischen Wandel in der Neuzeit (1500–1800) zu erfassen, ist die Erforschung der Sepulkralkultur. Forschungsgeschichtlich haben sich zuerst die Europäische Ethnologie und später die Neuzeitarchäologie mit der materiellen Kultur der Neuzeit beschäftigt. Dennoch ist die gegenwärtige Situation durch eine mangelnde Zusammenarbeit beider Disziplinen und die Verzerrung des Forschungsfeldes durch veraltete Forschungsprämissen gekennzeichnet. Der Grund dafür ist in der Geschichte der beiden Fächer zu suchen. Die Frage, die sich heute stellt, ist, wie der so zwischen den Fächern entstandene Graben überbrückt und eine gemeinsame, umfassendere Forschungspraxis etabliert werden kann. Als Lösung schlage ich eine praxissoziologische Perspektive als Forschungshaltung vor. Das hat zwei Effekte. Zum einen wird ein Instrumentarium für gemeinsame Forschungen der Europäischen Ethnologie und der Neuzeitarchäologie bereitgestellt und zum anderen wird die ständige Reflexion der Forschungspraxis ermöglicht. Daraus resultiert eine differenziertere Erforschung der Neuzeit.

 

The Early Modern period (1500–1800) was a time of dynamic changes. One way to explore these changes is the investigation of post-medieval burial practices. From an historical perspective, post-medieval material culture first became the subject of folklore studies, later of post-medieval archaeology. However, currently the relationship between both disciplines is characterized by a lack of cooperation and outdated research premises. This situation results from each discipline’s own history. One of the current problems is how to bridge the gap between the disciplines that emerged from these developments, in order to enable new joint, high-standard research projects. I am suggesting a perspective rooted in sociological concepts of practice, which I consider a viable solution to this problem. The proposed approach will have two effects: first, it will provide an instrument for joint research endeavours; second, it will allow for a constant reflection of established research practices. This will result in improved, more comprehensive, and more adequate research strategies towards the Early Modern Period.

 

 


 

 

ISSN: 2194-346X