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Siebte Ausgabe (2018)

Serie:Wissensproduktion in der Archäologie

Maresi Starzmann
Der „Orient“ als Grenzraum: Die koloniale Dimension wissenschaftlicher Narrative zum Nahen Osten   [Zusammenfassung]   [Abstract]     

Im späten 19. Jahrhundert brachten koloniale Diskurse die Vorstellung eines „deutschen Orients“ hervor. In dem auch von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen popularisierten Bild vom Nahen Osten als ursprüngliche deutsche „Heimat“, liefen archäologische bzw. historische Narrative mit zeitgenössischen politischen Sehnsüchten zusammen. Trotz seiner Wirkkraft zeichnete sich in diesem Bild jedoch auch ein ängstliches Spannungsverhältnis zwischen Kolonie und Metropole ab, aus dem heraus sich kolonisierte Subjekte Handlungsräume erschließen konnten. In der kritischen Auseinandersetzung mit der kolonialen Dimension wissenschaftlicher Narrative zeigt dieser Beitrag anhand post- und dekolonialer Perspektiven auf, wie orientalistische Wissensräume destabilisiert werden können.

 

In the late nineteenth century, the imaginary of a “German Orient” emerged as part of existing colonial discourses. As scholars popularized an image of the Middle East as original German “homeland,” archaeological and historical narratives converged with contemporary political desires. Despite its impact, however, this image remained fraught with tensions and anxieties, which opened up space for the agency of colonized subjects. In offering a critical analysis of scientific knowledge production about the Middle East, this paper explores post- as well as decolonial possibilities of destabilizing Orientalist epistemologies.

 

Stefan Hanß
Objects that Made History. A Material Microhistory of the Sant Crist de Lepant (Barcelona, 1571–2017)   [Zusammenfassung]   [Abstract]     

Dieser Aufsatz umreißt die möglichen Beiträge der Geschichtswissenschaft zur interdisziplinären Theorie und Praxis der Kritischen Archäologie. Insbesondere wird eine „materielle Mikrogeschichte“ am Beispiel eines mit der Seeschlacht von Lepanto (1571) weithin in Verbindung gebrachten und heute in der Kathedrale von Barcelona aufgestellten Kruzifixes dargelegt. MikrohistorikerInnen zeichnet eine reflektierte Sensibilität für die Komplexität der Vergangenheit(en), die Probleme historischen Wissens, die Implikationen geschichtswissenschaftlicher Praktiken (doing history) sowie ein experimenteller Umgang mit Narrativen aus. Gerade dieses Gespür und dieser Reflexionsgrad helfen, reflektierende und provokative Erzählungen über das vergangene Leben von Gegenständen – mit all ihren Konsequenzen für die Gegenwart – zu entwerfen. Die „materielle Mikrogeschichte“ des Lepanto-Kruzifixes von Barcelona wirft neue Perspektiven auf traditionelle Sichtweisen: Anstatt vorauszusetzen, dass die Schlacht ein Ereignis historischer Bedeutsamkeit gewesen ist, wird in diesem Aufsatz untersucht, wie objekt-bezogenes Denken historischer Akteure spezifischen Interpretationen der Schlacht als Ereignis historische Relevanz für die vergangene Gegenwart zuschrieb und dadurch auch selbst generierte. Indem untersucht wird, wie Objekte Geschichte und ihre inhärenten Annahmen über Machtverhältnisse gestalteten, legt dieser Aufsatz das problematische Verhältnis zwischen historischer Materialität und dem Material der Geschichte dar.

 

This article charts the possible contributions of history to the cross-disciplinary theory and practice of critical archaeology. Focusing on a crucifix widely associated with the Battle of Lepanto (1571) on display in the cathedral of Barcelona, the article outlines a material microhistory. Microhistorians’ sense for the complexity of the past, the problems of historical knowledge, the implications of doing history, and their experiments with narratives help to draft reflective and provocative narratives about the past life of objects – and their consequences for the present. The material microhistory of the Lepanto crucifix in Barcelona shifts traditional perspectives. Instead of assuming that the battle was an event of historical significance, the article reflects on how people’s ways of object-related thinking made particular interpretations of the battle as an event of historical significance relevant to their past presence. By examining how objects shaped history and its inherent assumptions about power relations, the article reveals the problematic links between historical materiality and the material of history.

 

 


 

 

ISSN: 2194-346X